Rochus-Prozession 2026
„A[nno] 1667 […] hat damalig Herr Pfarrer P: Adalbertus Höhn […] wegen einiger Confirmation [Bestätigung durch wiederholte Bekundung] daß in a[nn]o 1635 […] Versprochen h: Festi S: Rochi eine Zusammen Kunft sowohl geistlich alß weltlichen Gehalten und […] die haben einhellig eingewilliget und einmintig geschloßn daß hinforter Und Zu ewigen Zeiten Jehrlich Uff d. 16. Monathstag Augusti erwehntes Hochheyliges Fest S: Rochi Confess: alhier in Gemeiner Statt Umb abwendung der Pest hochfeyerlich Celebrirt werden […]. Diese Verlübtnis Und Bestettigung ist Geschehen Morgents Umb 8 Uhren Under dem freyen Himmell Uff dem freyen Platz hinder dem Haag […].
Im Jahr 1667 erneuerte die Kirchen- und Stadtgemeinde Buchen ihr damals bereits bestehendes Gelübde an den Pestpatron St. Rochus. Ein neuerliches Auftreten der todbringenden Krankheit in Buchen und der näheren Umgebung zwischen den Jahren 1660 bis 1667 hatte schmerzliche Erinnerungen an die verheerende Pest von 1635/36 hervorgerufen. Der damaligen Epidemie waren 1.300 Menschen zum Opfer gefallen, darunter Bürgerinnen und Bürger der Stadt und Flüchtlinge aus den umliegenden Dörfern, die ihr Heil hinter den Buchener Stadtmauern gesucht hatten. Das dramatische Zusammenspiel der Folgen der Pestepidemie und den wirtschaftlichen Belastungen durch den Dreißigjährigen Krieg löste schließlich 1636/37 noch zusätzlich eine Hungersnot aus, an der weitere Menschen sterben sollten. Diese beängstigenden Ereignisse, denen die Menschen nichts entgegen zu setzen hatten, haben zur Gründung des noch heute begangenen Rochusfestes geführt.
Mit der Erneuerung des Gelübdes 1667 sollte eine Wiederkehr solcher Zustände verhüten werden. Dafür wurden eigens zwei neue Bilder der Pest-Heiligen Rochus und Sebastian erworben und auch die Nachbargemeinden Unterneudorf, Stürzenhardt, Hollerbach, Steinbach und Rumpfen in das Gelübde und die alljährliche Prozession miteinbezogen.
Tatsächlich blieben die Buchener Bürgerinnen und Bürger für lange Zeit von größeren Epidemien verschont. Erst im Kriegswinter 1942/43 suchte eine Typhus-Epidemie die Stadt und ihre Bürgerschaft heim. Von 297 erkrankten Personen verstarben 45 an dieser Infektionskrankheit. Die Tragödie veranlasste die Buchener Bevölkerung, das seit 1635 bestehende Rochusgelöbnis erneut zu bekräftigen.
391 Jahre nach der Pestepidemie von 1635 erfüllen Stadt- und Pfarrgemeinde Buchen am kommenden Sonntag wiederum das Gelübde ihrer Vorfahren und gedenken den Opfern von Pest und Seuchen.
Ehrengast ist in diesem Jahr Abt Patrick Maria Schöder vom Kloster Stift Göttweig, mit dem die Pfarrei St. Oswald seit sehr langer Zeit freundschaftlich verbunden ist – eine Freundschaft, die auf den aus Buchen stammenden Gottfried Bessel zurück geht. Er gilt als bedeutendster Abt des österreichischen Klosters. Abt Schöder, zu dessen Benediktion zum 66. Abt von Stift Göttweig im letzten Jahr Bürgermeister Roland Burger und der damalige Dekan Johannes Balbach eingeladen waren, wird die Festpredigt im Festgottesdienst zu Ehren des Heiligen Rochus (Sonntag, 9 Uhr Pfarrkirche St. Oswald) mit anschließender Prozession halten. Am Nachmittag wird er sich im Rahmen eines Empfangs ins Goldene Buch der Stadt eintragen.