Wilhelm Guntermann - Gasthaus Löwen
1924
Öl auf Leinwand
Bezirksmuseum Buchen Inv.-Nr. 8537
Der traditionsreiche Löwen wird erstmals im Jahr 1701 erwähnt, bestand aber vermutlich schon längere Zeit. Standort des Gasthauses war zunächst in der Marktstraße. Erst 1848/49 erwarb Joseph Alois Hemberger die Schildgerechtigkeit Zum Goldenen Löwen und ließ das Wirtschaftsrecht auf sein Haus in der Vorstadt an die heutige Stelle transferieren.
Guntermann malte das markante Gebäude, das 1798 vor den Mauern der Vorstadt errichtet wurde, Mitte der 1920er Jahre. Damals war das Gasthaus im Besitz des Schneidermeisters Alfred Stetter, dessen Familie den Löwen über ein halbes Jahrhundert führte. Die Perspektive des Bildes ist erhöht und zeigt nicht nur die Vorderseite des Gebäudes mit dem Rundbogentor. Vermutlich hatte sich Guntermann beim Anfertigen in einem der sogenannten Vorstadt-Hochhäuser einquartiert. In der linken Bildhälfte verdeckt ein großgewachsener Baum das Synagogengebäude, am rechten Bildrand ist noch das Finkengässchen zu sehen, das durch den Bau der Schrankenbergstraße Anfang der 1980er Jahre verschwunden ist.
Wie Guntermanns Bild verrät, war das Gasthaus Löwen 1924 auch Heimat des Vorschuss-Vereins. Eine größere Inschrift mit Hinweis auf den Verein prangt unterhalb der Fenster des ersten Stockes. Vorschussvereine waren eine speziell deutsche Erfindung in der Mitte des 19. Jahrhunderts und sollten als Genossenschaft Gewerbetreibende unterstützen. In der Satzung des Vorschuss-Vereins Buchen heißt es, dass der Zweck des Vereins sei, seinen Mitgliedern "die zu ihrem Geschäftsbetrieb erforderlichen Geldmittel zu beschaffen und Gelegenheit zu Ersparnissen zu geben."
